Wann passt ein Kinderschuh | Schuhaus Kocher

Wann passt ein Kinderschuh?

Was macht einen passenden Kinderschuh aus beziehungsweise wann passt ein Kinderschuh wirklich am Fuß des Kindes? Diese Frage stellen sich täglich viele Mütter aber auch wir im Schuhgeschäft und die Industrie versuchen diese Frage immer wieder aufs Neue richtig zu beantworten.

Daumenmethode

Nein, sie hilft leider nicht, denn viele Schuhe haben vorne eine verstärkte Kappe um die Zehen zu schützen und um die Strapazen von Bobbycar und Co. besser aushalten zu können. Dadurch können jedoch die Zehen des Kindes kaum ertastet werden. Ein weiteres Problem der Daumenmethode ist, dass insbesondere kleine Kinder ihre Zehen reflexartig einziehen, wenn man auf die Kappe drückt. So entsteht der falsche Eindruck, dass die Schuhe noch genug Raum bieten.

Freiraum und Halt

Jeder Fuß ist einmalig und individuell geformt. Daher muss der Schuh der Form des Fußes folgen und nicht umgekehrt. Der Schuh sollte den Fuß über den Rist/Spann (die Oberseite des Fußes) umschließen und ihm dadurch Halt geben. Gleichzeitig sollten die Zehen genügend Freiraum haben.

Platz zum Abrollen und zum Wachsen

Zuwachsraum und Schubraum beim Kinderschuh
Vor den Zehen brauchen die Füße in einem neuen Schuh Schubraum (gelb) und Zuwachsraum (blau).

Wenn wir laufen rollen Fuß und Schuh gemeinsam ab, dadurch benötigt der Fuß im Schuh etwas mehr Raum als beim Stehen. Diesen Raum nennt man Abrollraum oder als Fachbegriff auch Schubraum. Er beträgt etwa 5 – 6 mm und muss in einem Kinderschuh immer (!) vorhanden sein. Zum Wachsen benötigt der Kinderfuß außerdem Platz, so dass wir und das Deutsche Schuhinstitut empfehlen, einen neuen Kinderschuh mit insgesamt 15 mm Platz vor den Zehen einzukaufen.

Oft kommt es aber vor, dass Kinder Schuhe so lange tragen, bis gar kein Platz mehr vor den Zehen ist. Leider wird der Fuß in diesem Fall bei jedem Schritt vorne gestaucht und kann bleibende Schäden davontragen.

Das Weiten-Maß-System (WMS)

WMS-Messgerät, zum Beispiel für Kinderschuhe
Das aktuelle WMS-Messgerät. Zur besseren Bedienbarkeit ist es auf einem Podest montiert.

Durch die Zusammenarbeit vieler namhafter Kinderschuhhersteller und dem deutschen Schuhinstitut ist bereits vor mehr als 40 Jahren ein Messsystem entstanden, das Weiten-Maß-System, oder kurz WMS. Hierfür wurden und werden immer wieder viele Kinderfüße in ihrem Umfang, ihrer Breite und ihrer Länge vermessen, um Richtlinien für passende Schuhe zu entwickeln. Diese Richtlinien bilden die Basis der Leisten, mit denen lizensierte Kinderschuhhersteller (Kennzeichnung WMS) ihre Schuhe herstellen, die möglichst vielen Füßen passen. Diese Richtlinien bilden auch die Basis der WMS-Messgeräte, mit denen Füße und auch die Innenlängen von Schuhen gemessen und kontrolliert werden können.

Bezüglich der Weite gibt das Messgerät nur einen Näherungswert an, da es den Fußumfang nicht separat berücksichtigt. Bezüglich der Länge gibt das Gerät eine Schuhgröße an, mit der man die Anprobe beginnen wird. Eine wirkliche Norm gibt es bei Kinderschuhgrößen nicht und so fallen Schuhe durchaus unterschiedlich aus. Eine gute Verkaufskraft kennt jedoch ihre Firmen und Modelle und wird Kinder und ihre Eltern fachkundig beraten.

Eine fast passende Schuhsohle
Sieht schon nicht schlecht aus.

Messung mit der Decksohle

Eine weitere beliebte Methode ist es, die Sohle (Fachwort: Decksohle) des Schuhs herauszunehmen und das Kind auf diese zu stellen. Dabei ist ganz besonders wichtig, dass die Ferse weit hinten sitzt, damit der Fuß genau so auf der Sohle aufliegt, wie es im Schuh der Fall wäre (der Fersenbogen wird in der Profilsicht meist etwas über die Sohle hinausragen). Nun kann man schon relativ gut sehen, ob der nötige Zuwachs- und Schubraum von zusammen etwa 15 mm vorhanden ist. 

Die Sohle gibt keine verlässliche Auskunft, ob die Breite und Weite des Schuhs passend sein wird, dies wird durch Fühlen geprüft, wenn das Kind den Schuh angezogen hat.

Der Weg zum passenden Schuh

Als Erstes vermisst man beide Füße auf einem WMS Messgerät, um eine Startgröße für die Anprobe zu erhalten. Bei einem Schuh der ermittelten Größe und Weite nimmt man dann die Sohle heraus und stellt das Kind darauf. Ist die Länge korrekt werden die Schuhe anprobiert. Wir achten darauf, dass die Füße in die geöffneten Schuhe gut hineinrutschen. Hier kommt nämlich der Umfang des Fußes zum Tragen, der durch keine Messung ermittelt, und auf keiner Größenbezeichnung eines Schuhs angegeben wird. 

Ist der Fuß letztendlich gut im Schuh angekommen, lassen wir das Kind mit den Schuhen laufen, rennen und „warm werden“. 

Wenn der Schuh keine feste Kappe hat, können wir versuchen, mit dem Daumen den Bereich der vorderen Zehen zu ertasten. Hierbei darf das Kind nicht sitzen, sondern muss gerade und gleichmäßig belastet stehen. Hierbei sollte man von oben nach unten und dann nach vorne tasten und dabei den ganzen Fuß etwas mit der Hand umschließen. So kann verhindert werden, dass die Kinder durch plötzlichen Druck von vorne die Zehen einziehen und man den Schuh so fälschlicherweise größer beurteilt als er ist. Dabei spürt man auch, ob der Schuh in der Weite an dem Fuß gut anliegt und ob er an der Ferse gut sitzt.

Wichtig ist, dass der Fuß nicht zu viel Luft hat, denn zu große oder zu weite Schuhe sind genauso schädlich für die Füße wie zu kleine Schuhe.

Nach dem Kauf

Ist der Schuh erst einmal gekauft, ist eine regelmäßige Kontrolle wichtig, um zu prüfen, ob der Schuh nach einiger Tragezeit immer noch ausreichend lang ist. Eltern können mit dem Schweißabdruck des Fußes auf der Decksohle gut kontrollieren, ob vor der längsten Zehe noch immer der Schubraum von etwa 5-6 mm vorhanden ist. Wenn sich dieser verringert ist es Zeit, längere Schuhe kaufen zu gehen.

Sohle eines noch passenden Kinderschuhs
Dieser Schuh ist gerade noch passend. In der Sicht von oben kann man an den Abdrücken gut erkennen, wie der Fuß beim Abrollen den Schubraum ausnutzt. Also immer mal wieder die Sohle aus dem Schuh nehmen und eine optische Kontrolle durchführen.
 
 
Dieser Artikel ist mit freundlicher Hilfe vom DSI - Deutsches Schuhinstitut GmbH, 63007 Offenbach/Main, entstanden.

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